Der öffentliche Blick auf die Windenergie richtet sich meist auf Zubau und Genehmigungen. Die eigentliche Vorlaufgröße steht aber im Register selbst: 8.187 Windenergieanlagen mit zusammen rund 51,0 GW sind aktuell als „in Planung" gemeldet — fast drei Viertel des heutigen Bestands von rund 71 GW noch einmal obendrauf. Diese Analyse macht sichtbar, wie sich diese Pipeline räumlich, zeitlich und netzseitig verteilt.
Das Signal in einem Satz
Die Pipeline verschiebt das Gravitationszentrum der Windenergie nach Westen.
Nordrhein-Westfalen ist mit gut 13 GW geplanter Leistung mit Abstand größter Pipeline-Standort — mehr als das heute dort installierte Bestandsvolumen. Wer Flächen, Netzanschlüsse oder Zielunternehmen bewertet, sollte die Landkarte von morgen zugrunde legen, nicht die von gestern.
Wo geplant wird: Bundesländer
Die drei größten Pipeline-Länder — Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Brandenburg — vereinen 28,6 GW und damit 56 % der gesamten geplanten Leistung. Auffällig: Bayern und Hessen, im Bestand bislang Nachzügler, melden inzwischen jeweils knapp 3 GW Planungen — die Flächenausweisungen der letzten Jahre werden im Register sichtbar.
In Planung gemeldete WEA
Geplante Leistung nach Bundesland
Wann es kommen soll: geplante Inbetriebnahmejahre
Nach den Selbstauskünften der Betreiber ballt sich die Realisierung in einem engen Fenster: 2026 bis 2028 sollen zusammen rund 45 GW ans Netz gehen, mit 2027 (19 GW) als stärkstem Jahr. Das ist erkennbar ambitioniert — zum Vergleich: Der beste je erreichte Jahreszubau lag bei gut 5 GW. Ein Teil der Termine wird sich verschieben; genau diese Verschiebung ist die Kennzahl, die wir Woche für Woche nachhalten.
Selbstauskunft der Betreiber
Geplante Leistung nach Inbetriebnahmejahr
Wie schnell die Pipeline wächst
In den letzten zwölf vollen Monaten kamen knapp 23 GW neue Planungsmeldungen hinzu. Der Rhythmus folgt dabei sichtbar den Ausschreibungs- und Genehmigungsterminen — mit Spitzen im Dezember 2025 (4,6 GW in einem Monat) sowie jeweils vor den Gebotsterminen im Frühjahr und Herbst.
Neu registrierte Planungen
Neuzugänge in der Pipeline je Monat
An welches Netz die Pipeline will
Für Standort- und Transaktionsentscheidungen ist die Netzseite oft der härteste Filter. Die Pipeline konzentriert sich stark: Westnetz (12,5 GW) und Avacon (9,9 GW) stehen zusammen für fast die Hälfte der geplanten Leistung mit Netzbetreiber-Angabe. Wer in diesen Netzgebieten plant, konkurriert um dieselben Umspannwerke, Einspeisepunkte und Baukapazitäten.
Anschluss-Netzbetreiber
Top 10 Netzbetreiber der Pipeline
Die Anlagen werden weiter größer
Die durchschnittliche Leistung neu in Betrieb genommener Anlagen ist seit 2018 von 3,2 MW auf rund 5,6 MW gestiegen. Für Bestandshalter heißt das: Repowering multipliziert Leistung auf gleicher Fläche — und macht alte Standorte mit guten Netzen zum strategischen Asset.
Zubau-Charakteristik
Durchschnittliche Anlagenleistung des Zubaus
Was Entscheider daraus ableiten können
Investoren & M&A
Pipeline-Volumen je Region und Eigentümerumfeld zeigt, wo Zielunternehmen wachsen werden — bevor es die Zubaustatistik zeigt. M&A Intelligence →
Projektentwickler
Netzbetreiber-Konzentration und regionale Ballung sind Frühindikatoren für Anschlusswartezeiten und Flächenwettbewerb. Site Intelligence →
Netzbetreiber & Kommunen
Die gemeldete Anschlusspipeline je Netzgebiet ist planbare Last von morgen — und Grundlage für Ausbau- und Personalplanung. Load & Grid Forecast →
Methodik und Grenzen
Datenbasis
- Marktstammdatenregister (BNetzA), Gesamtdatenexport, eigener validierter Import in unsere Analysedatenbank
- Filter: Windenergie an Land, Bruttoleistung > 100 kW
- Betriebsstatus „In Planung" = registrierte, noch nicht in Betrieb genommene Einheiten
- Aggregierte Werte dieser Seite als JSON: weekly.json
Einordnung
- Planungsmeldungen sind Selbstauskünfte; nicht jedes gemeldete Projekt wird realisiert.
- Geplante Inbetriebnahmetermine sind systematisch optimistisch.
- Zurückgezogene Planungen verschwinden aus dem Register; die Pipeline ist eine Momentaufnahme.
- Bestandskurve in Bestandsperspektive: zurückgebaute Anlagen sind nicht enthalten.
Quellen
Marktstammdatenregister ↗ · Bundesnetzagentur ↗ · Eigene Datenbank und Berechnungen (askrionAI)